Vorbereitungsmaßnahmen
Es ist so ein ungeschriebenes Gesetz für Comiczeichner*innen, dass man in Erlangen eigentlich gar nicht aufkreuzen muss, wenn man nicht mindestens ein neues Heft, besser ein neues Buch oder – am allerbesten – eine neue, 800-seitige Graphic Novel im Gepäck hat. Obwohl wirklich jeder weiß, dass das nicht stimmt, verfällt annähernd die gesamte Szene kurz vor dem Salon in einen Zustand allgemeiner Panik. Die Angst vor der Deadline oder der Druckerei, die nicht pünktlich liefert, ist allgegenwärtig.
Der Begriff „Graphic Novel“ ist reiner Marketingslang und nervt mich sehr. Es ist nichts anderes als ein Comic und dient einzig und allein dazu dem Ganzen auf dem Buchmarkt einen seriöseren Anstrich zu geben. Denn Comics sind ja angeblich für Kinder, aber „Graphic Novels“ – ja, das ist was für besonders Erwachsene (Kinder). In meinen Augen ist das Quatsch. Alles ist Comic.
Wie ich schon in meinem letzten Beitrag „Zack Bumm Größenwahn!“ geschildert habe, bin auch ich vor dem Salon-Fieber nicht geschützt und hatte diesmal gleich drei neue Hefte mit dabei. Mein Highlight für diesen Salon: Meine Frau Lea konnte mit dabei sein – so musste ich die Zeit am Stand nicht allein durchstehen. Wir hatten für die vier Tage sowohl Omi als auch unser Kind intensiv vorbereitet und waren guter Dinge, dass alles glatt laufen würde. Also beluden wir unser Auto und machten uns am Mittwochabend auf den Weg.
Der Aufbau: Platzangst im Redoutensaal
Nach einer durchwachsenen Nacht auf der Couch meiner Schwiegermutter fuhren Lea und ich zum Redoutensaal in Erlangen. Da wir früh genug dran waren, ergatterten wir einen guten Parkplatz, holten völlig stressfrei unsere Messeausweise ab und hatten sogar noch Zeit für ein entspanntes Frühstück, bevor die Türen der Location zum Aufbau öffneten. Bis dahin lief wirklich alles aalglatt. Als wir dann aber den Saal betraten, war es mit meiner Euphorie und guter Laune vorbei.
Die Tische waren so elendig klein! Ich hätte selbst alleine Platzprobleme bekommen. Man konnte wirklich mit Mühe und Not zwei Stühle nebeneinander an den Tisch stellen. Sobald man allerdings anfing, seinen Stand aufzubauen, war klar: Es ist unmöglich, irgendwas auf dem Tisch zu platzieren, ohne die Personen dahinter komplett zu verdecken.
Ich war der festen Überzeugung, noch nie auf derart winzigen Tischen ausgestellt zu haben, und ärgerte mich über meinen Geiz. Schließlich war es ich, der nur einen Tisch gebucht hatte. Lea brauchte wirklich all ihre Motivationskünste, um meine Laune wieder nach oben zu pumpen. Letztlich hat sie das aber geschafft. Es stand zwar auch fest, dass ich einen Großteil des Salons hinter dem Postkartenständer mit den Drucken verbringen würde, aber das war am Ende gar nicht so schlimm, wie befürchtet. Dazu aber gleich mehr.

Vier Tage Comic-Klassentreffen
Um 12 Uhr ging’s am Donnerstag endlich los. Da in unserem Saal keine Durchsagen ankamen, wussten wir gar nicht so recht, wann genau es eigentlich startete. Anfangs dachte ich mir würde die wunderbare Stimme und ihre Durchsagen fehlen. Es war aber auch so schon laut genug und ich war letztlich ganz froh über die wenigen Phasen, in denen es schon fast ruhig im Saal war.
Lea und ich hatten an alles gedacht: Drucke, Sticker, Comics und genügend Stift und Papier, um halb Erlangen mit Porträts versorgen zu können. Wir waren vorbereitet und motiviert. Auch wenn ich nur aus meinem "Versteck" heraus hätte zeichnen können, war ich mittlerweile hyped auf Kundschaft. Die aber leider ausblieb.
Unser Kerngeschäft – die Live-Porträts – schien nicht zu ziehen, obwohl das sonst ein absoluter Kundenmagnet ist. Einen klaren Grund dafür konnten wir nicht ausmachen. Ich denke, es lag an der schieren Masse des Angebots in der Halle. So viele visuelle Eindrücke muss man als Besucher erst mal verarbeiten. Da hat man vielleicht keinen Nerv mehr, sich zeichnen zu lassen. Außerdem bieten mittlerweile viele Künstler*innen Live-Zeichnungen an, da teilt sich die Kundschaft natürlich auf.

Socializing, Astrozwerge und die Kamera
Halb so wild, denn Geld allein macht auch nicht glücklich. Beim Comic-Salon geht es schließlich vor allem darum zu connecten und zu socialisen. Man trifft alte Bekannte, lernt neue Leute kennen und alle zwei Jahre fühlt es sich so an, als wären Comics in Deutschland echt eine große Nummer. Man hat vier Tage lang den Eindruck, Teil einer ziemlich geilen Szene zu sein. Man tauscht Comics und spricht mit krassen Künstler*innen. Zum Beispiel habe ich dieses Mal endlich Bela Sobotke getroffen, der mir Terror 3000 signiert hat – ein wahnsinnig netter Mensch!
Und das Beste: Am Ende bin ich etliche meiner Comics losgeworden – ich habe so viele verkauft wie noch nie! Ich durfte außerdem vor Publikum aus meinen Astrozwergen lesen und die Zuschauer*innen haben viel gelacht. Das hat mich riesig gefreut. Ein großes Danke hierbei an Jeff Chi und die Comic Solidarity, die sich um das Programm im Kubic kümmert haben. Generell war das Feedback zu den Astrozwergen fantastisch. Das beschwingt mich sehr und ich werde die positive Energie direkt nutzen, um bald die nächsten Geschichten anzufangen.

Was wäre ein Comic-Event in Bayern ohne den Verein Comic in Bayern? Nix, richtig! Also war ich hier auch noch ein wenig aktiv und habe zweimal fleißig in eine Kamera geplaudert (hoffentlich sah ich nicht zu zerrupft aus). Dieses Jahr steht nämlich endlich die offizielle Vereinsgründung an und wir suchen aktiv nach Mitgliedern, die uns beim Aus- oder Aufbau der bayerischen Comicszene unterstützen wollen. Deswegen habe ich auch ordentlich Flyer verteilt, die mit großem Interesse entgegengenommen wurden. Mehr Infos dazu folgen im Laufe des Jahres!
Mein letzter Termin war ein Interview mit Andi vom Telestammtisch. Andi ist wirklich ein hervorragender Moderator. Wir haben morgens um 9 Uhr gesprochen, und obwohl er sicherlich länger wach war als ich, lief er ab Sekunde eins im 100%igen Profi-Modus. Ich hoffe, ich habe auf seine Fragen kompetent genug geantwortet – ich bin gespannt auf das Ergebnis und werde es natürlich mit euch teilen.
Ganz vergessen: Lea und ich waren auch auf EgoFm zu hören. Lea wurde von den Jungen Talenten interviewed und ich habe versucht die ersten paar Seiten der Astrozwerge als Hör-Comic einzulesen. Das konnte man schon auf EgoFM hören. Ich werde mal versuchen, ob ich die Sendung hier irgendwie verlinken kann.
Mein Fazit
Der Comic-Salon Erlangen 2026 war aus meiner Sicht ein rundum schönes Ereignis. Auch aus geschäftlicher Sicht, da ich wirklich interessante neue Kontakte knüpfen konnte (wie zu Titus Ackermann oder eben Bela) und so viele Leute meinen Comic wollten. Ich habe auch das Gefühl, dass die harte Arbeit bei Comic in Bayern langsam Früchte trägt. Das stimmt mich einfach positiv.
Außerdem war es schön, Lea wieder an meiner Seite zu haben. Nach der Geburt unseres Kindes hatte sie eine Con-Pause eingelegt (einlegen müssen) und es war toll, hier wieder als Paar aufzutreten. Wir bekamen super viel positives Feedback für unseren NotCast und ich glaube, ihr tat es wahnsinnig gut, den kreativen Tank inmitten so vieler toller Künstler*innen und Freunde wieder aufzuladen.
Zum Schluss möchte ich noch ein dickes Shout-Out an meine Tochter senden: Sie hat es einfach super gemeistert, vier Tage lang mit der Omi zu chillen. Sie hat uns damit dieses schöne, verlängerte Wochenende überhaupt erst möglich gemacht. Danke auch an meine Familie (besonders die Omi) denn wenn es euch nicht gäbe, wär das alles auch nicht möglich. Ich hoffe, in zwei Jahren klappt das wieder genauso gut!
