
Ich bin ganz ehrlich, seit Ende letzten Jahres läuft es bei mir beruflich eher schleppend. Die wenigen Aufträge, die reinkommen, reichen gerade dafür mich über Wasser zu halten. Ich könnte auch damit leben, wenn ich nur für mich verantwortlich wäre. Jetzt bin ich aber Vater und somit trage ich auch die Verantwortung für mein Kind. Das muss ich zwar nicht alleine, aber ich möchte mich als Papa nicht nur auf pädagogischer, sondern auch auf finanzieller Ebene einbringen.
Es liegt also nicht an meiner beruflichen Qualität. An meinem Lifestyle liegt es auch nicht, denn ich gebe für mich selbst kaum Geld aus. Woran liegt es dann?
Was muss sich ändern?
Es wäre jetzt zu einfach mit dem Finger auf die Welt zu zeigen und zu sagen: “Du bist Schuld” Auch wenn generative KI, der Hype darum und die globale wirtschaftliche Situation sicherlich dazu beitragen. Mein Berufszweig hat deshalb eine sehr schwierige Zeit. Ich kann diese Punkte aber schlecht ändern. KI geht nicht weg und die petromaskulinen Problemmänner dieser Welt kann ich auch nicht dazu bringen, ihre Kriege zu beenden. Manchmal macht mich diese Ohnmacht auch wirklich wütend, aber ich muss woanders ansetzen. Nur wo?
Es gibt ja durchaus noch Leute, die die Arbeit von echten Menschen, mit eigenen Gehirnen, wertschätzen. Das glaube ich wirklich, sonst könnte ich sofort aufhören. Es gilt also diese Menschen zu erreichen und ich glaube das tue ich eigentlich schon. Schließlich liest du gerade diesen Text.
Biete ich zu viel an? Vielleicht verwirre ich meine Kunden durch ein zu breites Angebot? Oder ist eher mein eigenes Gefühl, dass ich mich irgendwie verzettle? Vielleicht ist nicht mein Können das Problem – sondern dass ich selbst nicht klar sagen kann, wer ich gerade sein will.
Was bin ich eigentlich und wo gehör ich hin?
Ich biete aktuell Schnellzeichnungen auf Events jeglicher Art an. Außerdem kann man online Porträts beauftragen. Ich habe einen Shop. Dort verkaufe ich meine Comics, limitierte Pins und Sticker und meine Kunst. Außerdem kann man mich auch als Illustrator buchen. Als ich die Website online stellte, hielt ich das für eine gute Idee. Denn auf mehreren Beinen steht es sich besser.
Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Denn wenn man auf meiner Seite ist, fragt man sich schnell. Wer ist der Kerl und was macht er denn jetzt? Kann er das alles wirklich leisten, was er verspricht? Ist er jetzt Künstler oder Dienstleister?
Ich glaube ich sollte mir diese Frage dringend beantworten. Darin könnte mein beruflicher Erfolg stecken. Denn eine klare Markenpositionierung und eine transparente Kommunikation ist der Schlüssel, um seine Zielgruppe zu erreichen, das predige ich meinen Kunden ja auch immer. Ich sollte also meine eigenen Ratschläge mal anwenden und mir darüber Klarheit verschaffen, was meine berufliche Rolle in Zukunft sein soll.

Wie erarbeite ich mir eine möglichst klare berufliche Positionierung?
Gute Frage, nicht wahr? Eine wirklich einfache Lösung habe ich dafür nicht. Aber ich glaube ich muss mich hinsetzen und überlegen, was ich denn nun WIRKLICH machen will? Von welchem Teil meiner Arbeit kann ich mich trennen? Denn eins ist klar: Ich muss mich auf ein Thema konzentrieren, denn mehr schaffe ich in Teilzeit einfach nicht.
Wenn ich mir wünschen dürfte, wie die Zukunft aussieht, dann hätte ich genug finanzielle Sicherheit, um mich auf meine Comics und die Kunst zu fokussieren. Ich würde die Produktpalette meines Shops um handgestaltete Klamotten und Kunstdrucke erweitern. Außerdem würde ich dieses Kunst-Abo endlich ins Leben rufen, das mir schon die ganze Zeit unter den Nägeln brennt.
Trotzdem würde ich gerne die Buchungszeiten in der Kita so belassen, wie sie sind, denn ich mag es, dass ich am Nachmittag noch genug Zeit mit meiner Tochter habe. Ich fände es schade, wenn sie sozusagen nur zum schlafen nach Hause kommen würde.
Wie ich das alles erreichen will und ob das überhaupt zu schaffen ist, weiß ich noch nicht. Aber ich werde mich erstmal hinsetzen und mich auf die anstehende Convention Saison vorbereiten. Vielleicht bringt mich ja der Austausch mit meinen Kolleg*innen auf den richtigen Weg.

Eines weiß ich: Ich bin mit diesen Fragen nicht allein. Vielleicht steckst du selbst gerade in einem Umbruch oder hast das Angebot in deinem "Bauchladen" kürzlich neu sortiert.Falls du also einen Rat für mich hast – oder einfach nur sagen willst, dass es dir ähnlich geht: Schreib mir gerne 'ne Mail oder hinterlass mir einen Kommentar auf Social Media. Manchmal hilft es schon, zu wissen, dass man nicht der Einzige ist, der ohne Anleitung vor dem Ikea-Regal "Lebøn" steht.
Ich halte euch auf dem Laufenden, was bei der Suche nach meinem "Kern" herauskommt. Bis dahin – wir sehen uns auf der nächsten Convention.
